Unsere Zukunft


Mit dem ersten Adventsonntag ist nun wieder ein Kirchenjahr zu Ende gegangen, und ein neues hat seinen Anfang genommen. Auch das weltliche Kalenderjahr neigt sich seinem Ende zu. Da erneut ein gewisser Abschnitt in unserem Leben vorliegt, legt man sich verstärkt die Frage vor, wie es mit uns wohl weiter gehen wird, wie unsere Zukunft wohl aussehen wird. 


Nun, die Zukunft ist natürlich immer ungewiß. Obwohl kaum ein Mensch abgeneigt wäre, im voraus zu erkennen, was ihn später erwartet, ist für uns die Zukunft in diesem Sinne völlig unzugänglich, und zwar grundsätzlich. Niemand kann mit absoluter Sicherheit künftige Ereignisse voraussagen. Allerdings wird diese (allgemeine) Ungewißheit bisweilen auch noch durch aktuelle gesellschaftliche Erscheinungen verstärkt. So haben es die Menschen in unserer heutigen wirtschaftlichen Situation z.B. mit der Angst zu tun, den Arbeitsplatz zu verlieren. Wegen der hohen Lebenskosten sind wir ja auf ein geregeltes Einkommen angewiesen. Die existenziellen Sorgen der jüngeren Generation werden auch durch den Umstand genährt, daß sie wegen der Überalterung der Gesellschaft um ihre spätere Rente bangen muß. Über alle diese Probleme wird häufig in der Öffentlichkeit und in der Politik diskutiert. Vor allem aber nimmt in unserer Gesellschaft immer mehr die geistige Abstumpfung zu. Es gibt immer weniger moralische Grundprinzipien, an die sich unsere Zeitgenossen gebunden fühlen. Was die Menschen früher (mit Recht!) als heilig und ehrenhaft ansahen, wird heute häufig belächelt, was ehedem als moralisch verwerflich galt, gehört in der jetzigen “aufgeklärten” Zeit oft sogar schon zum guten Ton. Unter diesen Umständen können wir um so weniger garantieren, daß nicht nur unsere Kinder, sondern auch wir selbst diesem geistigen Sumpf entgehen und moralisch überleben werden. Wie soll man denn die Kinder richtig erziehen, wenn sie von allen Seiten den negativen Einflüssen der Unterwelt ausgesetzt werden? 

Ja, diese und andere Sorgen sind alles andere als geeignet, auf uns beruhigend einzuwirken. Wie sollen und können wir dieser Ungewißheit um unsere Zukunft begegnen? 

Vielleicht dürfen wir in diesem Zusammenhang auf eine der größten Gestalten des Alten Bundes, auf den ersten Patriarchen Abraham hinweisen. Die Hl. Schrift des Alten und Neuen Testaments macht uns vor allem auf den Glauben Abrahams aufmerksam, durch den er vor Gott bestehen konnte: “Abraham glaubte Gott, und dies ward ihm als Gerechtigkeit angerechnet” (Röm 4,3; Gal 3,6; Gen 15,6). Der Glaube Abrahams ist das ihn Auszeichnende! 

Wodurch kommt aber der Glaube Abrahams in Erscheinung? Bei seiner Berufung “sprach der Herr zu Abram (so hieß er damals noch): ´Ziehe fort aus deinem Land und von deiner Verwandtschaft und vom Haus deines Vaters in das Land, das Ich dir zeigen werde´” (Gen 12,1)! Abraham sollte das Land verlassen, das ihm den Lebensunterhalt sicherte. Er sollte seine “Verwandschaft” und das “Haus (seines) Vaters” verlassen, d.h. die familiären und verwandtschaftlichen Bindungen aufgeben, die ihm das Gefühl vermittelten, geborgen und angenommen zu sein (nur seine Frau Sarah, sein Neffe Lot und das “Gesinde” zogen mit ihm). 

Und Abraham folgte dem Ruf Gottes! Ohne Wenn und Aber, ohne mit Gott und dem Schicksal zu hadern zog er aus seinem Land aus: “So zog denn Abram fort, wie ihm der Herr befohlen hatte” (Gen 12,4). Dabei war ihm bei seiner Berufung noch nicht einmal das genaue Ziel bekannt, es hieß nur allgemein, er solle in ein Land ziehen, das Gott ihm “zeigen werde”: “Er zog aus, ohne zu wissen, wohin er komme” (Hebr 11,8)! Abraham sollte die (relative) Sicherheit der Heimat verlassen und in die Fremde gehen, wo auf ihn mancherlei Gefahren warteten. Als einzige Garantie hatte Abraham nur die Verheißung des Segens Gottes (vgl. Gen 12,2f.)! Trotzdem hat er nicht gezögert und sich im Vertrauen auf Gott und Seine Verheißungen der unbekannten und unsicheren Zukunft überlassen, was in den Augen der (sündigen) Menschheit sicherlich als eine große Torheit erscheint. Und dieses Vertrauen auf Gott ist der Ausdruck seines Glaubens, gerade in diesem Vertrauen kommt sein Glaube zum Ausdruck: “Glaube bewog Abraham, dem Ruf zu gehorchen und in ein Land zu ziehen, das er zum Erbe erhalten sollte (Hebr 11,8)! Es ist ein volles und uneingeschränktes Vertrauen, weil er sonst nichts mehr hatte, worauf er sich hätte berufen oder stützen können. 

Wenn wir heute berechtigte Sorgen um unsere Gesellschaft und die Kirche haben und auch deshalb auf eine unsichere Zukunft blicken müssen, vergessen wir dabei nicht, daß unsere Hilfe und Rettung letztendlich von Gott kommt (vgl. Ps 121,2). Ohne der Gefahr der Trägheit und des Nichts-Tun zu erliegen, dürfen wir trotzdem nicht meinen, alles in eigener Regie und aus eigener Machtvollkommenheit heraus tun zu können. Gott allein weiß, was am meisten unserem geistigen Fortschritt dient. Der Mensch reicht mit seiner ganzen menschlichen “Weisheit” nicht an die Allwissenheit Gottes heran. Verrichten wir deshalb gewissenhaft unsere Pflichten, ansonsten dürfen wir uns getrost Seiner Führung überlassen. 

Ein Christ zeichnet sich eben dadurch aus, daß er zwar in verschiedenen Anliegen (inständig) betet, aber das Erwünschte dennoch nicht erzwingen will. Er setzt seine ganze Hoffnung und sein ganzes Vertrauen auf Gott, der allen, die Ihn “lieben, alles zum Besten gereichen” läßt (Röm 8,28)! Unser Glaube soll sich ja gerade darin bewähren, daß wir trotz aller Widerstände das Vertrauen auf Gott nicht verlieren. Christus hat uns die Verheißung gegeben, bei uns “alle Tage bis ans Ende der Welt” zu bleiben (Mt 28,20). Daher wollen wir uns im Anschluß an Abraham, der unser Vater im Glauben ist, von Ihm führen lassen! Diese Bereitschaft (es ist eine grundsätzliche Haltung), nicht den eigenen, sondern den Willen Gottes zu tun, kann nur aus einer lebendigen Glaubenspraxis hervorgehen. Gerade angesichts einer unsicheren Zukunft (wollen wir die kommenden Prüfungen vor Gott bestehen) wächst somit die Verpflichtung, sich um die Intensivierung des eigenen Glaubenslebens zu kümmern. Dadurch wird uns auch kundgetan, wie für uns der Wille Gottes in der ganz konkreten Situation lautet. 

So wollen auch wir unser Leben und unsere Zukunft in die Hände des allmächtigen und barmherzigen Gottes legen. Dabei wollen wir besonders die allerseligste Jungfrau Maria um ihre Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohn anflehen, die ja mit ihrem “Fiat - mir geschehe nach Deinem Wort” ein ganzheitliches und uneingeschränktes JA zum Willen Gottes gesprochen hatte! In diesem Zusammenhang möchten wir unsere Leser erneut um die Teilnahme an unserem gemeinsamen “lebendigen Rosenkranz” (vorgestellt in “Beiträge”/7, S.20) ermuntern, welches Gebet wir ja für die katholische Kirche und zur Bekehrung der Menschen verrichten. 

 

P. Eugen Rissling



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